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Künstlerfoto
Klaus Dierßen

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„Abi Shek“

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„Lichtungen - WINaware“
  Fotos zur Eröffnung

Fotografie

Eröffnung:
02.04.2017, 12:00 Uhr

Einführung:
Manfred Zimmermann


Dauer:

02.04.2017 - 14.05.2017

Öffnungszeiten während der Ausstellung:

Dienstag - Freitag 11 - 13 Uhr und 15 - 18 Uhr
Samstag 11 - 13 Uhr und 15 - 17 Uhr
Sonntag 15 - 17 Uhr
und nach telefonischer Vereinbarung

Künstlergespräch gemeinsam mit Prof. (YU) Manfred Zimmermann, So., 23. April, 15 - 16 Uhr
Führung für Kinder mit Anikó Dworok

Eröffnungsfotos: Margrit Gehrold





Fotos zur Eröffnungsveranstaltung:

Die Wortkombination WINaware des Ausstellungstitels lässt unmittelbar an Gewinn
denken, man assoziiert aber auch den bekannten Markennamen Windows, unser
elektronisches Fenster zur Welt. Die künstlerischen Werke der Ausstellung
thematisieren gegenwärtige Fenstersituationen und verstehen sich als Fotografische
Lichtungen. Durch sie kann der Betrachter etwas gewahr werden, worauf sich der
zweite Titelbegriff aware bezieht, Fensterbilder als Bildfenster. Die Fotografie zeigt
hier in ihrem Rahmenfenster ein Spiel von Licht und Schatten hinter dem
Vorhang.
Das Kunstwort Lichtungen assoziiert zwar auch die fotografische Be-lichtung, die
auf der Grundlage von Licht und Schatten vonstatten geht, verweist jedoch auf eine
sinnbildhafte Ebene. Es lichtet sich etwas, wir erschauen etwas, haben gar einen
‚lichten’ Gedanken, betreten etwa eine (Wald-) Lichtung. Die Lichtungen in der
Ausstellung mögen so gesehen erhellend sein, indem eine neue andere Sicht oder
Betrachtung eröffnet wird. Gleichwohl sind diese subtil farbigen Licht-Bilder
janusköpfig mit dem Schatten gepaart. Dessen englische Bezeichnung lautet Shade
und bedeutet unter anderem Abstufung, Zwischenton, Abtönung, Vorhang aber auch
Blendschutz und Schirm und geht damit über die singuläre deutsche Bezeichnung
hinaus. Man erinnert Platons Höhlengleichnis, bei dem die Schatten als trügerische
Wirklichkeit erscheinen. Jeder Fotografie wohnt dieses Schattenbild inne, es geht um
Wechselbilder von Sein und Schein.
Grafisch anmutende künstlerische Bilder zeigen abstrahierend-feingestaltig architektonische
Fenster-Raum-Situationen privater und öffentlicher Gebäude mit
besonderen Lichtwirkungen, häufig auch mit transparenten Vorhängen und
verweisen mit ihrem ästhetischen Programm auf eine weiter reichende, Stimmung
erzeugende Ebene unserer Lebenswelt. Klare Durchblicke werden verhindert, zu
bezeichnende Dinge lassen sich nur schemenhaft erahnen, der Betrachter wird dabei
auf das Bildhafte, mithin die abstrahierende künstlerische Gestaltung verwiesen.
Das Bild und sein Zeichencharakter sowie das Fotografische werden auf der Ebene
von Licht und Schatten, Schärfe und Unschärfe, Positiv und Negativ,
Linienführung,Farbe und Form reflektiert. An die Stelle unmittelbaren Erkennens und
Benennens tritt eine Suchbewegung. Indem alles im Ungefähren bleibt, ist es ein
Spiel mit dem Sehen, ein Spiel von Trug und Wahrhaftigkeit durch ästhetische
Verschlüsselung, denn nichts ist eindeutig, nichts Definitives lässt sich sagen:
„Ich sehe was, was du nicht siehst...“. Hier wird das Fenster durch Uneindeutigkeiten,
Mehr- und Vieldeutigkeiten zum Symbol wenn sich Wirklichkeit und Illusion
durchmischen.
Zwar wird ein Reales in der Fotografie abgelichtet, man bestimmt es vorschnell als
„Das ist...“ und schon ist man kurzschlüssig beim gegenständlich anekdotischen
Thema. Dem gegenüber stellt sich bei den gezeigten fotografischen Bildern eher die
Frage nach dem, was gemeint sein könnte zusammen mit der Verwunderung: „Das
irritiert...“. Beabsichtigt sind bei diesen Still-Leben-Bildern Zwischentöne und
Ambivalenzen, die sich über das sehende Sehen im Erschauen offenbaren. Man
schaut auf den vielschichtigen Raum des Fensters, der eine Schnittstelle von
drinnen und draußen, ein bedeutungstragender Schwellenort mit magischen Kräften
ist.
Überall sind wir von unterschwellig Atmosphäre erzeugenden Räumen umgeben, die
unsere Befindlichkeit positiv oder negativ beeinflussen. Wir mögen gemeinhin unsere
Vorhänge, Gardinen, Rollos, Jalousien und Plisses, sie unterstützen ein Raumgefühl,
erzeugen Emotionen oder Feelings, auch und gerade durch ihre Licht- und
Schattenregie. Gleichwohl sind sie ein Übergangsphänomen, ein Schirm zwischen
hier und dort, was gleichermaßen für Architekturen und Naturen gilt. Von daher
können diese fotografischen Bilder als eine Blackbox unserer Befindlichkeiten
angesehen werden, als eine Ansammlung offener Settings. Folglich sind auch die
Bildtitel nicht orts- oder sachbezogen als Verweise (er-)klärend, sondern chiffrierte
Codes, die Aufforderungscharakter haben mögen. Sie sind aus Anfangsbuchstaben
der jeweiligen Örtlichkeiten wie kryptische Dateikürzel wie Initialworte (Akronyme*)
gebildet, sie mögen anregend lichtend aber gleichwohl auch wie DADA wirken.
Scheinbar sind heute alle Fenster offen – schauen wir auf uns selbst...
*) Akronyme entstehen dadurch, dass Wörter oder Wortgruppen auf ihre Anfangsbestandteile gekürzt
werden.                                     (Text: Klaus Dierßen)


Klaus Dierßen

Internet: www.klausdierssen.de

Klaus Dierßen
1949
geboren und lebt in Hildesheim
1970-73
Studium Lehramt Bildende Kunst
1976-82
Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig
(Kunstpädagogik und Freie Kunst)
Staatsexamen und Meisterschülerdiplom
bei Prof. Malte Sartorius
1977-2012
Dozent / Professor für Bildende Kunst und Fotografie
am Institut für Bildende Kunst und Kunstwissenschaft
im Studiengang Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis
an der Universität Hildesheim
Deutsche Gesellschaft für Photographie (DGPH)
Bund Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK)
Künstlergruppe ‚arche’ Hameln
Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen
Buch- und Katalogpublikationen
Vortrags- und Beratertätigkeiten
Werke in öffentlichen und privaten Sammlungen

 




 


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