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Künstlerfoto
Lothar Seruset


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  Fotos zur Eröffnung

Skulpturen

Eröffnung:
25.01.2015, 12:00 Uhr

Einführung:
Anna Arnsk├Âtter, Lentzke / Brandenburg


Dauer:

25.01.2015 - 08.03.2015

Öffnungszeiten während der Ausstellung:

Dienstag - Freitag 11 - 13 Uhr und 15 - 18 Uhr
Samstag 11 - 13 Uhr und 15 - 17 Uhr
Sonntag 15 - 17 Uhr
und nach telefonischer Vereinbarung

Eröffnungsfotos: M. Gehrold





Fotos zur Eröffnungsveranstaltung:

Betritt man das Atelier von Lothar Seruset und geht über einen langen Steg in dessen Tiefe hinein, so sieht man sich einem bizarren Figurentreiben gegenüber, wird schnell in dessen Mitte geholt, gleichsam umzingelt. Vom ersten Moment ihrer Entstehung an wohnt den noch ungehobelten gerade aus dem Stamm gekratzten, fragmenthaft ihre Extremitäten in den Raum dehnenden Figuren, die ihre Bestimmung noch zu suchen scheinen, eine große Kraft inne. Mit rissiger, staubiger Oberfläche, zum Teil mit Kreide bemalt, stehen sie sehr präsent im Raum, grob und kantig, wie sie sind, wollen sie schon von sich erzählen, stellen sie ein Versprechen dar, welches der Bildhauer nun einzulösen hat.

Und dann beginnt die Arbeit des Annäherns, der Verfeinerung, in tagelanger Arbeit unter Zuhilfenahme von Ketten- und diversen anderen Sägen, Flex, Bohrmaschine und zahlreichen Stechbeiteln rückt der Bildhauer den Stämmen zu Leibe, sägt, haut, sticht und kerbt in das Holz hinein, schält heraus, schleift, sägt Skulpturenteile auseinander, baut andere wieder neu  zusammen. Arbeitsspuren, Signatur der Maschinen werden nicht immer kaschiert, die Suche nach der Form wird Teil der Skulptur. Und die Figuren nehmen dabei mehr und mehr Gestalt an, sie werden regelrecht aus dem Holz herausgeschält, der Aufbau strukturiert sich, die Gliedmaßen werden konkreter, ein Gesicht entsteht, wird zu einem Ausdrucksträger, Finger kommen dazu, ganz zu schweigen von den Füßen, die groß sein müssen, um die Last der Aufbauten tragen zu können, ein individueller Ausdruck entsteht. Die Geschichte kann beginnen....

Und da steht sie nun, MY LOVE, wie der Titel etwas irreführend lautet. Keine Schönheit, kein Idol, keine Verkörperung des idealen Maßes, steht vor uns. Wovon erzählt sie, was kann und will sie uns sagen? Was sehen wir überhaupt? Eine weibliche Figur, üppig, etwas gedrungen steht auf einem großen tierhaften Wesen, ein Fisch?, ein Seehund?, und trägt ein Kind auf dem Arm. Lenkt die Frau das riesige Tier, ist es zahm oder bäumt es sich auf unter der Beherrschung durch den Menschen? So gewagt der Aufbau, so sicher und fest ist die Beziehung zwischen Frau und Kind, sie verweist auf ihn, er verweist auf sie und in der Ernsthaftigkeit ihres Bezogenseins lassen sie uns an mittelalterliche Marienfiguren denken.

Auch die Skulptur „Bärenstark“ zeigt uns einen Balanceakt auf einem Tier, und hat doch mit einer Zirkusnummer nichts gemein, hier wird hochkonzentriert ein Standvermögen vorgeführt, welches sich sehen lassen kann. Wer beherrscht hier wen und geht es überhaupt um Hierarchien, geht es nicht vielmehr um ein Austarieren von unterschiedlichen Kräften, um eine Begegnung auf Augenhöhe. Nur gemeinsam lässt sich diese Nummer vollführen. Tragen und Gehaltenwerden, Balance finden, sie halten, diesen Bedingungen sind Serusets Gestalten immer wieder unterschiedlich ausgesetzt, und sie vollführen diese Artistik mit großer Konzentration und großem Ernst. In Ihrem Bemühen nach Austausch und Nähe ist ihnen kein Mittel zuviel, sie wachsen dabei buchstäblich über die eigenen Kräfte hinaus.

Im „Flurstück“ begegnet uns ein halbnackter Mann, ein kleines Auto fährt ihn durch die Gegend, gleichsam als Kopfputz trägt er ein streng gewachsenes Flurstück, vom Menschen aufgeforstet und verwaltet, Mensch zwischen Maschine und Natur, aber letztere ist ja schon fast auf der Strecke geblieben. Und die Figur dazwischen auf der Suche nach Orientierung, etwas verhalten die großen Hände in einer leeren Geste, macht er mit oder schafft er noch den Absprung, denn das Auto fährt und fährt....

„Ist doch krass, dass die Toten immer mehr werden, obwohl die Erde gleich groß bleibt und es irgendwann keinen Platz mehr gibt, um die Toten zu begraben, oder? “... und weiter heisst es “...faszinierend fand ich, dass laut National Geographic die Zahl der heute lebenden Menschen die Zahl all derer übertifft, die im Laufe der Menschheitsgeschichte gestorben sind.„ Zitatende. In seinem in New York handelden Roman extrem laut und unglaublich nah, lässt der Autor Jonathan Safran Foer seinen 9 jährigen Romanhelden Oskar über das Zahlenverhältnis von lebenden und toten Menschen auf unserem Planeten nachdenken. Der Skulptur „Michael“ könnte man getrost die gleichen Worte in den Mund legen, stellt sie doch auch Fragen nach dem Problem der Überbevölkerung unseres Planeten, nach dem Umgang mit unseren Toten, nach dem Woher und Wohin unserer Existenz. Wir sehen einen  Berg aus Schädeln, wie die Basis unseres eigenen Lebens steht er da, darüber aufgetürmt eine weitere Anhäufung von grinsenden Schädeln, (die Toten vor und nach uns?) Zwischen beiden eingeklemmt, auch dies ein Balanceakt, eine Figur, die sowohl dem Druck von Unten als auch dem von Oben standhält, eingebunden in das Werden und Vergehen. Und  wir denken auch an die Schadelstätten des ersten Weltkrieges, an die Schädelberge aus Ruanda, Kambodscha, diese Bilder, die wir abgespeichert haben und die uns die Dimensionen menschlichen Handelns schmerzlich bewußt machen.

Das Relief „unterwegs“ zeigt dagegen eine auf den ersten Blick  heitere Welt, vor uns entfaltet sich eine panoramaartige  Berglandschaft, in der immer wieder Gesichter auftauchen, unten ein riesiges Auto, das nimmt uns alle mit in den Urlaub, alles ist in Bewegung und drängt nach vorn in den Raum, vorbei geht es an  einem alten Aquadukt, an Hochhäusern, und da steht das Auto auch schon unter dem Carport im Urlaubsort, und wir sind angekommen. Aber auch hier tauchen die Totenschädel auf, wie eine Perlenschnur  ist dieses memento mori gleichsam als Straßenpflaster aufgefädelt, es hält die Szenerie in der Waage und bringt sie gleichzeitig ins Wanken. Geschickt spielt der Künstler hier mit unterschiedlichen Größenordnungen, zitiert Alltagsattribute und fügt alles zu einem konzentrierten Ganzen zusammen. Immer wieder gelingt es Lothar Seruset, seiner eigenen Bildfindung quasi ein Schnippchen zu schlagen und scheinbar eindeutige Zusammenhänge zu konterkarieren und in Frage zu stellen. Das macht das Schauen so spannend und fordert zum Dialog mit den Skulpturen auf. Subtil wirft der Bildhauer Fragen auf, bringt Gegensätze zusammen, die in uns haften bleiben, sich einfacher Deutung entziehen.

Der Titel „Baumeister“ weckt in uns sofort Assoziationen an die großen Baumeister der mittelalterlichen Kathedralen, in Ulm, dem Geburtsort von Lothar Seruset, waren es z.B. die Brüder der Parlerfamlie, die im 14. Jahrhundert mit dem Bau des großartigen Münsters begannen. Wir denken an Bauwerke , die über Jahrhunderte weiterverfolgt wurden, an ein Bauen auf höchstem künstlerischen Niveau, ein Bauen für die Ewigkeit.

Lothar Serusets Baumeister dagegen ist von tragikomischer Gestalt. Leicht gebeugt steht er da und balanciert einen riesigen Stapel von Rigipsplatten, dem Material für heutiges, schnelles, günstiges und quantitatives Bauen schlechthin. Hier wird dem Baumeister sein Material  zur Last, seine Aufgabe steigt ihm zu Kopfe und er hält inne, den Stapel gedanklich zu sortieren, bevor er ihn endlich in die Hand nimmt und und die kleine Kirche oben auf dem Stapel doch noch fertig baut.

Die Bronzen, die in kleinen Auflagen entstehen, wirken wie eine Verdichtung der ihnen vorausgehenden Holzskulptur. Auf der Oberfläche spürt man noch dem Holz nach, von dem abgeformt wurde, durch die Präsenz des Metalls ergibt sich dann aber eine viel schärfere Zeichnung im Raum. Liegt bei den Holzskulpturen die Farbe wie eine Lasur auf dem hellen Untergrund, so baut sich bei den Bronzen die Farbe auf dem dunklen Ton des Metalles auf. Patinierte Oberflächen gehen dabei einen reizvollen Kontrast mit den in Ölfarbe eingelassenen ein. Hier sehen Sie die Bronzen „Fisherman“ und „Ursula“. Jede Bronze einer Auflage ist übrigens individuell bemalt.

Die bildnerische Welt des Künstlers, die in den Skulpturen sichtbar geworden ist, verdichtet sich in den oft großformatigen Holzschnitten  vollends. Hier gibt es keine Gesetze der Statik und nur wenig Einschränkungen des Materials. Die Holzschnitte haben im Werk von Seruset einen besonderen Stellenwert. In ihnen treffen die Leichtigkeit der Zeichnung und die handwerkliche, haptische Arbeit, die dem Künstler durchaus wichtig ist, aufeinander. Die Holzschnitte reflektieren beständig die zeichnerischen und bildhauerischen Themen. Das lässt sich hier in dieser Ausstellung direkt beobachten, die Skulptur Bärenstark taucht als Figurengruppe in dem Holzschnitt Beal-ex auf.

Ich möchte Sie noch besonders auf die Arbeiten draussen in der Vitrine aufmerksam machen. Es handelt sich um originalgrafische Künstlerbücher, die Lothar Seruset in Zusammenarbeit mit zeitgenössichen Autoren in kleinen Auflagen herstellt. Ulrike Draesner, Marion Poschmann, Kerstin Hensel und andere stellen Texte zur Verfügung oder schreiben explizit für ein Buchprojekt. Lothar Seruset arbeitet regelmäßig mit Reiner Scheuble, dem Gründer des Quetsche Buchdruckverlags zusammen, der auch schon mehrere Bücher mit Anja Tschepets herausgegben hat, deren Austellung in diesen Räumen Sie vielleicht gesehen haben.

Lothar Seruset erzählt uns in seinen Werken gerne Geschichten, aber er gibt sie ungern preis. Und so sind wir als Betrachter aufgefordert, seine vielschichtige Bildsprache allein aufzuschlüsseln. Nicht immer passen die einzelnen Deutungszusammenhänge dabei zueinander. Wir stehen vor seinen Arbeiten und rätseln immer wieder, fragen uns zum Beispiel nach der Bedeutung von Wortkürzeln, die er gerne einfügt, wundern uns über Attribute, die er seinen Akteuren zuordnet, und indem wir uns fragen, lassen wir uns ein, folgen der Spur, die der Künstler für uns gelegt hat.                                                             Anna Arnskötter


Lothar Seruset

1956               geboren in Ulm

1979               Freie Kunstschule Stuttgart

1980 - 83        Studium der Malerei, Akademie der Bildenden     Künste Nürnberg

1983               Studium der Bildhauerei und Malerei, Hochschule der Künste Berlin

1988               Meisterschüler an der Hochschule der Künste in Berlin

                       bei Prof. J.Schmettau und bei Prof. E. Strautmannis

1988 - 89        DAAD Jahresstipendium für die Niederlande, Amsterdam

1993 - 95        Karl-Hofer-Stipendium Berlin

2000               Realisierung einer Marienfigur und einer Hl. Klara, St. Klara-Kirche, Ulm

2001               Stipendium „Ecce Homo“, Künstlerhaus Bärensprung, Prignitz

2005               "Memento Mori“, Panzerhalle Groß Glienecke

                        Reisestipendium der Stadt Potsdam für Chur/Graubünden

2006                Stipendium Künstlerhaus Lukas, Ahrenshoop

 

                         lebt und arbeitet in Lentzke/Brandenburg








Ausstellungen:

Einzelausstellungen seit 2010 (Auswahl) - Symposien - Preise

2010                art Karlsruhe, Karlsruhe

                        Galerie hinterm Rathaus, Wismar

                        Galerie Zehntscheune, Bad Homburg

                        Galerie am Bollwerk, Neuruppin

                        Kunsthalle Hangelar


1997                „Zur Zeit“, Kunstsymposium Langenau

1998                Teilnahme am 3. Kunstsymposium Kulmbach

                        Holzbildhauer-Symposium Pankehallen Berlin

1999                3. Preisträger IG Metall-Wettbewerb, Frankfurt

2003                Holzbildhauersymposium Eppstein/Taunus

2005                Holzbildhauersymposium Worms

2009                Bildhauersymposium HOLZART 13, Kronach

2011                Bildhauersymposien Goldenstedt, Abenberg

2013                Bildhauersymposium Kloster Andechs