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Künstlerfoto
Werner Hilsing


Alle aktuellen Ausstellungen:

„Everything is for the best in the best possible world“

Ausstellungen
   
„WERNER HILSING - Arbeiten von 1953 - 2013“
  Fotos zur Eröffnung

Malerei - Zeichnungen - Collagen

Eröffnung:
24.03.2013, 12:00 Uhr

Einführung:
Dr. Alexandra Glanz, Hannover - Horst Lehmeier, Bonn

Diese Ausstellung wird gefördert von:


Dauer:

24.03.2013 - 05.05.2013

Öffnungszeiten während der Ausstellung:

Dienstag - Freitag 11 - 13 Uhr und 15 - 18 Uhr
Samstag 11 - 13 Uhr und 15 - 17 Uhr
Sonntag 15 - 17 Uhr
und nach telefonischer Vereinbarung

Künstlergespräch Sonntag, 21. April, 16.00 - 17.00 Uhr

Finissage Sonntag, 5. Mai, 15.00 - 17.00 Uhr
                Grußwort Tjark Bartels, Bürgermeister der Wedemark     





Fotos zur Eröffnungsveranstaltung:

Der Wedemärker Künstler Werner Hilsing hat ein einzigartiges Werk geschaffen. Sein Erfindungsreichtum im Umgang mit Inspirationsquellen, seine spielerischen Rückgriffe auf vergangene Kunststile und der Wechsel der Themen beeindrucken. In 60 Jahren ist daraus ein vielgestaltiges Universum von traumhaften Bildwelten von großer Ausdruckskraft entstanden.


Werner Hilsing

Rede zur Eröffnung bei imago, Kunstverein Wedemarkt, am Sonntag, 24. März 2013

Zum 75. Geburtstag des Künstlers

 

Ich sehe gerade Marianne Kuschfeldt-Zerull und denke an den 70. Geburtstag von Werner Hilsing, zu dem Ludwig Zerull als künstlerischer Leiter der Galerie vom Zufall und vom Glück die Geburtstagsausstellung ausgerichtet hat.

 

Das kleine, erste Bild hier, unter Glas, es ist ganz dunkel. Man muss ganz nah herantreten. Dann erkennen Sie nicht nur die kleine Landschaft, sondern auch, dass die Malerei (Bäume, Häuser, eine dörfliche Idylle) auf dem kleinen Stück Stoff fast schon vom Hinsehen zerbröseln möchte.

 

Gemalt hat dieses Kleinod Werner Hilsing, als er 15 war, 1953. Gymnasiast an der Luther-Schule in Hannover. Fragen Sie ihn vielleicht nachher, wo er das Stückchen Stoff her hatte. Womöglich aus dem Nähkästchen der Mutter stibitzt. Werner Hilsings Materialbeschaffungen waren schon in seinen jüngsten Künstlerjahren originell.

 

Das Bild daneben, dieses stilisierte Gesicht im Profil, in Grün, in einem pastosen Weiß, entstand aus der Zugabe von Zahnpasta. Ja, Zahnpasta. Die Farben aus dem Tuschkasten, mit deren Hilfe er die kleine endliche Landschaft malte, auf die ich gerade hingewiesen habe, waren ihm nicht „pastos genug“.

 

Mit Zahnpasta und ein bisschen Leinöl gut vermischt, so sollte sich der gewünschte pastose Effekt - dass die Malerei breiig, zäh- und dickflüssig wirkt - unschwer erreichen lassen. Werners Mutter wunderte sich, dass die Tube mit dem Zahnpasta schon wieder alle war, der Junge freute sich. Denn sein gestalterischer Wille hatte ihm gehorcht.

 

Diese Versuche geschahen damals noch im nahen Abbensen, wo Werner Hilsing aufwuchs. Und wohin er - vor acht Jahren - zurückgekehrt ist, ins Elternhaus. Nach 48 Jahren in der Fremde, vorrangig in Berlin.

 

Hier liegt ein Ordner aus, mit Farbkopien vom Interieur dieses Hauses, so wie es heute aussieht, wie es heute Werner Hilsing bewohnt. Ich benutze das abgegriffenen Wort nicht gern, aber es fällt mir kein trefferenderes ein: W.H.s Abbenser Domizil ist tatsächlich ein „Gesamtkunstwerk“. Alles, wirklich alles ist bemalt, bezeichnet, beklebt: Fensterscheiben und ihre Rahmen, Wände und Böden, Schränke, Tische, Stühle – unglaublich. Mit was? Mit allem, was Sie wagen zu denken: Alles kann zu willentlich gesetzter Farbe werden, auch ein Stück Tapete, oder zwei,  Zeitungen bieten kauziges Bildmaterial en masse, Pril-Blümchen dürfen nicht fehlen.

 

Alles, was Werner Hilsings Abbenser Wohn- und Arbeitshöhle auszeichnet, macht auch seine Kunst greifbar, sein 60 Jahre währendes Schaffen. Auf einer Collage hier fand ich eine Annonce aus einem Kino in Neukölln zu Achternbuschs Film „Das letzte Loch“ aus dem Jahr 1981 mit dem Zitat: „Nie wieder Krieg, nur Maßkrüg.“ Nichts ist hier zufällig, es will nur so scheinen. Damit wird Werner Hilsing zum respektablen Weggefährten von Kurt Schwitters.

 

Fragt man Werner Hilsing aber nach seinen Impulsgebern, heißen  die Götter seiner Jugend Klee und Chagall. Paul Klees Kunst der kleinen Dinge lernte er in seinem Schulbuch kennen. An dessen Ausstellung 1956 in der Hamburger Kunsthalle erinnert sich Werner Hilsing, als habe er sie gestern gesehen. Dann Chagall in Bonn, ebenfalls in der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre, auf das Abitur zugehend. „Da bin ich von einem Bild zum anderen getaumelt.“ O-Ton Hilsing.

 

Nach dem Abitur 1958 besuchte W.H. zwei Semester lang die Werkkunstschule Hannover. Dann hielt es ihn nicht länger an der Leine. Und er ging nach Berlin.

 

An der Berliner Hochschule der bildenden Künste sah er bei seinen Professoren Werner Volkert, wie die damals hochambitionierte informelle Malerei funktioniert und bei Mac Zimmermann, wie der Phantastische Surrealismus reüssiert. Im Chile Allendes, wohin Werner Hilsing Anfang der siebziger Jahre der Mutter seiner Tochter wegen einige Jahre zog, malte er delikate Landschaften, südamerikanische, weite und weiche Horizonte. Auch sie sind hier zu sehen, inmitten einer Petersburger Hängung auf dieser hinteren Wand. Manche davon malte er auch auf Geldscheine, chilenische Pesos.

 

Von einem mehrjährigen Amerika-Aufenthalt Mitte der neunziger Jahre brachte W.H. unter anderem eine dadahafte, hollywoodesk heitere Collage mit, auch sie inmitten der Petersburger Hängung.

 

Die Bilder dieser Ausstellung wurden – vom Künstler selbst und einem hilfsbereiten Freund aus Berlin – weitgehend chronologisch gehängt. Sie erkennen unschwer: Hilsings Stil ist, dass er sich jeglichem Stil souverän verweigert hat. Hier, in den Sechzigern,,  eine expressionistische Fratze, die laut Künstler „Vergnügen“ heißt, neben einer Materialcollage aus Schokopapier, weiter morandihaft Weichgezeichnetes, Kubistisches à la Braque in diesem Bereich, Altmeisterliches neben kindlichem Krikelkrakel: Punkt, Punkt, Komma, Strich, fertig ist das Angesicht, ein Hals wie ein Pfund Schmalz …  Anleihen an der Art brut finden sich ebenso. Hilsings Pointillismus kommt als ungewöhnlich, für ihn großes Format daher.

 

Doch auch Hilsings Pointillismus kommt nicht als reiner Pointillismus daher. Sie sehen - wie ein Palimpsest aus dem Malgrund auftauchend - Relikte des Phantastischen Realismus. Sie sehen aber auch, wie W.H. Grenzen sprengt, wie der Rahmen selbst zum Bildgrund wird.

 

Entscheidend ist, dass Werner Hilsing vor allem die Schönheit der Farbe und der vor allem auch kleinen Dinge sieht. Auf Hilsings Website findet sich bei der Werkübersicht die Unterteilung in „kleine Dinge“ und „sehr kleine Dinge“. Bemalte Streichholzschachteln gehören in diesen Bereich.

 

Etwas größer, aber doch in jedem Malerbedarf zu kaufen ist eine, sie hängt hier, eine veritable Palette, auf der er zehn Jahre lang die Farben für seine Landschaften gemischt hat. Reine Farbe, zwischendurch ging er mit feinem Schmirgelpapier darüber, samtweich fühlt sie sich an. Hilsing hat sie rahmen lassen. Die Farbe selbst ist das Material, und das darf und soll gesehen werden. Der Prozeß des Machens darf und soll gesehen werden. So lässt W.H. das Alltägliche zum Leben kommen.

 

Was habe ich alles nicht erwähnt: Dass Rogner’s Edition bei Ullstein 1981 seinen Roman „Die Ente vom zwölften Julei“ veröffentlichte, den der Künstler allerdings schon 1963 geschrieben hatte. Bei Amazon habe ich sogar noch ein einzelnes Exemplar antiquarisch angeboten gefunden.

Auch noch nicht erwähnt habe ich, dass W.H., wenn er in den vergangenen Wochen nicht gerade diese eleganten, mit Weiß überhöhten Damen auf hellgrauem Papier zeichnet, die Modejournalen des 19. Jahrhunderts entstiegen sein könnten,  Otto Flake liest, den hervorragenden Essayisten und Moralisten, der 1963 in meiner Geburtsstadt Baden-Baden 83-jährig starb.

 

Noch eine Bemerkung in persönlicher Sache. Als ich 1989 – von Berlin kommend – bei der Hannoverschen Allgemeinen als Kulturredakteurin zu arbeiten begann, saß ich von Zeit zu Zeit im Archiv, um in älteren Faszikeln nach was-für-einem-Artikel-auch-immer zu suchen. Es war das Leben vor dem Internet. Dabei fielen mir wieder und wieder mit schwarzer, dünner Feder und leichter Hand hingeworfene Illustrationen auf, zu Geschichten, zu Gedichten in der Kultur, in der Wochenendbeilage. Gezeichnet und signiert hatte sie W.H. Wie er auch Illustrationen für andere Zeitungen und Magazine entwarf.

 

Das war in etwa die Zeit, in der die legendäre hannoversche Galerie von Adam Seide erstmals Arbeiten von W.H. zeigte. Die Ausstellung bei Seide war 1963. Zwanzig Jahre später, aus Anlass einer Ausstellung im Neuen Berliner Kunstverein, verbreitete Heinz Ohff - inzwischen gestorben, doch damals    d e r   Papst der Berliner Kunstkritik, Ohff war Feuilletonchef des Tagesspiegels gewesen - über  das enfant terrible Hilsing zwei wunderbare Anekdoten.  

Die erste: Wie die Staatsanwaltschaft in der Zeit des Kalten Krieges ein Blatt mit der DDR-Flagge beschlagnahmte, in dem der Künstler Hammer und Sichel durch primäre weibliche Geschlechtsmerkmale ersetzt hat.

Und die zweite Anekdote: Wie Hilsing einmal leere, von ihm signierte Blätter verkauft hat, die man selbst je nach dem persönlichen Geschmack ausfüllen konnte.

 

Seit sechs Jahrzehnten spielt W. H. mit der Kunst. Was wir an W.H.s Kunst, der Fülle, der Verschiedenartigkeit seiner Kunststücke zu erkennen vermögen: Hilsing akzeptiert nichts, wie es ist. Und verändert damit alles.

 

Lieber Herr Hilsing, ich wünsche Ihnen weiter diese Lust an der Veränderung, und

Ihnen, meine Damen und Herren, einen schönen Restsonntag.

 
Alexandra Glanz
 
 

 

 


Werner Hilsing

Internet: www.wernerhilsing.de

1938
geboren in Hannover, aufgewachsen in Abbensen
 
1958
Abitur in Hannover
 
1968/69
Werkkunstschule Hannover
 
1969
Hochschule der Bildenden Künste Berlin bei Werner Volkert und Mac Zimmermann
 
1969–2005
Leben und Arbeiten in Berlin, längere Aufenthalte in Südamerika und den USA
 
1981
Veröffentlichung des Romans „Die Ente vom 12. Julei“
 
2003
Gründung der Werner- Hilsing-Gesellschaft
 
seit 2005 lebt und arbeitet Werner Hilsing wieder in Abbensen/ Wedemark
 


Ausstellungen:
(Auswahl)
 
1963
Galerie Adam Seide, Hannover
 
1972
Kunsthalle Bremen, Bremen
 
1978
Galerie Christoph Dürr, München
 
1983
Neuer Berliner Kunstverein, Berlin
 
1994
Galerie Redmann, Berlin
 
1995
Ice House Gallery, Telluride, Colorado, USA
 
1997
Cecile Moochnek Gallery, Berkeley California, USA
 
2002
atelier z-Art, Madeleine Ammann,Zürich, Schweiz
 
2006
Galerie vom Zufall und vom Glück, Hannover

2008
imago Kunstverein Wedemark, Wedemark/ Bissendorf
 
Preise
1970 Förderpreis des Landes Niedersachsen für Bildende Kunst