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Künstlerfoto
Harry Mink








-Fotos R. Gerth

Alle aktuellen Ausstellungen:

„Bilder. 1956 - 2018“

Ausstellungen
   
„Harry Mink - Jedem das Seine “
  Fotos zur Eröffnung

Cartoons & Collagen - Ein Querschnitt aus 30 Jahren

Eröffnung:
30.01.2011, 12:00 Uhr

Einführung:
Renate Puvogel, Kunstkritikerin, Aachen

Diese Ausstellung wird gefördert von:


Dauer:

30.01.2011 - 06.03.2011

Öffnungszeiten während der Ausstellung:

Dienstag - Freitag 11 - 13 Uhr und 15 - 18 Uhr
Samstag 11 - 13 Uhr und 15 - 17 Uhr
Sonntag 15 - 17 Uhr
und nach telefonischer Vereinbarung


Sonntag, 20. Februar 2011, 15 Uhr:
Mink & Maunz -
eine szenisch-literarische Annäherung an Harry Mink,
Krokodil Theater, Tecklenburg


Finissage: Sonntag, 6. März 2011, 15-17 Uhr





Fotos zur Eröffnungsveranstaltung:

Mit Hintersinn, Charme und Witz hat Harry Mink seine unverwechselbaren Figuren gezeichnet, und damit über 3 Jahrzehnte hinweg Menschen erheitert. Humorvoll, manchmal bissig, begegnet man liebenswürdigen Geschöpfen, die oftmals Sprachwitz in ganz eigene Bildwelten wandeln. imago zeigt eine Auswahl seiner Cartoons.

Harry Mink – Jedem das Seine
Rede zur Eröffnung im imago, Kunstverein Wedemark am 30. Januar 2011

Wenn man durch diese Ausstellung schlendert, fragt man sich: warum nehmen Kunstinstitute so selten Cartoonisten und Karikaturisten in ihre Programme auf? Cartoons und Collagen von einer Qualität wie diese von Harry Mink bieten ein ästhetisches, sinnliches Vergnügen und eine geistige Bereicherung, so dass man sich einem solchen Augen- und Hirnschmaus gerne öfter hingeben würde. Daher zu allererst: ein Dank und Lob den Leiterinnen des Kunstvereins Frau Ute Loewener und Frau Dr. Brigitte Maaß-Spielmann für ihren Mut, ihr Kunstprogramm um diese wundervolle Spezies zu bereichern. Denn um Kunstwerke handelt es sich ja nun allemal.

Da heißt es, das Spezifische dieser Arbeiten herauszufinden. Womit beginnen? Soll man zuerst das Aufgebot der imposant ausstaffierten Figuren Revue passieren lassen oder besser Harry Minks geradezu artistischen Sprachwitz an den Anfang stellen? Man könnte auch mit seinem bravourösen Zeichenstil ansetzen bzw. mit seinem raffinierten Gebrauch unterschiedlicher Techniken und Materialien. Schließlich wäre es auch naheliegend, jene banalen und querliegenden Themen anzugehen, die Harry Mink karikierend verwurstet.

Jede dieser Kriterien kann für den Künstler Quelle seiner Inspiration sein; sie sind zunächst einmal Ausdruck der spontan kreativen Arbeitsweise von Harry Mink. Der Zeichner geht nämlich keineswegs einheitlich und systematisch zu Werke, vielmehr lässt er sich mal von winzigen Stolpersteinen, ein andermal von empörenden Vorkommnissen dazu verleiten, Feder oder Pinsel zur Hand zu nehmen. Mal stutzt er, als Stadtstreicher neugierig durch vertrautes Revier flanierend, über das ungehörige Gebaren einer Person, ein andermal fällt ihm lediglich eine blöde Reklame ins Auge oder eine kommerzielle Verpackung in die Hände, wieder anders geben auch ein reizvolles Gespräch oder der Ärger über einen Zeitungs-Artikel Anlass für verbale und visuelle Reaktion. Auch die Beschaffenheit oder das Format des Materials kann den Cartoonisten inspirieren: So haben ihn von einem Grafiker ergatterte lange, schmale Kartonabfälle zu den skurrilsten Einfällen angeregt. Das extreme Querformat verführt etwa dazu, zu Ostern eine Batterie Hühner aufmarschieren zu lassen. Im Hochformat gewährt der Karton dem Kopfputz reichhaltigen Auslauf, schließlich baumelt auch eine aparte Krawatte lang herab.

Es locken Harry Mink also weder politisch brisante Nachrichten noch allbekannte Klischees aus der Reserve. Damit zählt er nicht eigentlich zu den Karikaturisten in der Tradition der genialen Franzosen wie etwa Grandville oder Daumier, die ihrem Ärger über gesellschaftliche oder politische Missstände in satirischen Zeichnungen Luft gemacht haben. Reale Personen, seien sie noch lebend oder bereits gestorben, kommen höchstens als Aufhänger vor, um einem gefundenen Material oder einer Bemerkung stellvertretend den visuellen Auftritt zu verschaffen.

Auch gehört Mink nicht zu den Comiczeichnern, weil er keine Geschichten erzählt. Vielmehr lässt er sich der Zunft der Cartoonisten zurechnen, die allesamt Figuren und Szenen frei erfinden und mit ihnen eher unterschwellig Situationen des Alltags aufs Korn nehmen. Aus ironischem Blickwinkel betrachtet und schließlich zu Papier und Pappe gebracht, blitzt allerdings hinter den Alltäglichkeiten Grundsätzliches hervor, seien es menschliche Schwächen oder gesellschaftliche Zustände. Zum Beispiel strapaziert Mink Klischees und vertauscht eingefahrene Muster, indem er sie bricht, aushöhlt oder überhöht. Mal kalauert er ungeniert, wenn etwa der Ausruf „Mon Dieu, ein echter Schleimi!“ Schneckengestalt annimmt. Ein andermal gelingen ihm geistreiche Wortverdrehungen oder –erfindungen wie z.B. die Kombination „Kulinarischer Alpinismus“ oder - wahrlich doppeldeutig: „Weißweinchen und Rotkaterchen“.

Individuellen Zügen geht Mink indes aus dem Wege, ja, die Gesichter sind teilweise unter Hüten versteckt oder aber ins Tierhafte verkehrt. Anstelle der Persönlichkeiten erkennt man unmittelbar die aufs Korn genommenen Typen: Da stolzieren hermelingewandete Könige und schlanke Kardinäle unter ihren mannshohen roten Hüten. Da trippelt eine Dame der Gesellschaft in dekorativ drapiertem Gewande, eine verhärmte Mamsell duckt sich im Hausanzug, während die Puffmutter ihren Busen selbstsicher zur Schau trägt.

Die Frau erweist sich unter der zeichnenden Hand als weitaus wandlungsfähiger als der Mann; mal macht Mink sie zur lasziven Halbweltdame, ein andermal geleitet er sie als aufgeplusterte Madame galant durchs Blatt-Gefilde. Bei der Weiblichkeit kann sich die Phantasie Minks an den Accessoires einer Person entzünden, an dem Saum ihrer ausladenden Robe, einem reich drapierten Hut, dem Kuller-Schmuck am Hals, ihren Stöckelschuhen oder einem Fächer, den er eincollagiert. Mit ausschweifenden Beschreibungen und entlarvenden Randbemerkungen von Figuren, Sachverhalten oder Situationen kann der begabte Zeichner seiner Hand freien Lauf lassen - dem Betrachter verschaffen sie amüsante Seherlebnisse.

Der Mann zeigt sich allgemein nicht gerade vorteilhaft, nicht etwa als schnieker Weltbürger, sondern eher als einfältiger Zeitgenosse oder nachdenklicher Beobachter. Hier opponieren picklige Punker und dort thront ein Kerl eitel, aber leidenschaftslos im Sessel. In seiner Rundlich- und Behäbigkeit weist die männliche Figur häufig gewisse Ähnlichkeit mit ihrem zeichnenden Erzeuger auf. Diese formgewordene Selbstironie Minks lässt entschuldigen, dass die Männer häufig als Voyeure unterwegs sind und dem turbulenten Treiben der Weiblichkeit, das sich weitgehend zwischen Bett und Kochtopf abspielt, mal überlegen, mal neidisch zu- oder nachschauen. Dem Thema Maler und Modell gewinnt Mink groteske Varianten ab.

Der Zeichner - und mit ihm viele Geschöpfe - schlüpfen häufig in tierische Haut und zwar sowohl in die der Katze als auch in die der Maus. Das Katz- und Mausspiel entpuppt sich eine Zeit lang als ergiebiges Thema vom Kampf ungleicher Rivalen. Die beleibte Katze trägt ihr gemütvolles Gehabe zur Schau, während die schlanke Maus eher die spitzfindigen Kommentare liefert und listig unter Röcken oder Fräcken hervorlugt. Gelegentlich räsoniert eine tierische oder menschliche Figur skeptisch über das Handwerk von Zeichner oder Schreiber. Wenn einem Mann Hörner in Gestalt spitzer Zeichenfedern aufgesetzt sind, dann schaut er zwar belämmert aber auch skeptisch lauernd drein, dann ist er sowohl Täter als auch Opfer.
Aufschlussreich in diesem Sinne ist ein geniales Blatt, auf welchem uns ein auf einer Staffelei hockender Kater entgegenblickt – sozusagen als Bild im Bild; umgeben von Malutensilien hält er in seiner Pfote die Farbpalette. Damit fallen Zeichner und seine tierische Kreation in eins, Maler und Modell sind identisch, der Maler ist gleichzeitig Bildmotiv.

Es bringen also sowohl die artistische Sprach- wie auch die Zeichenbegabung den bildbesessenen Kritiker dazu, sich eines Sujets anhand seines jeweiligen Beiwerks zu bemächtigen. Nun wollen ja die üppigen Requisiten künstlerisch griffig und originell eingefangen sein. Und so ist Harry Minks Umgang mit Bleistift, Feder und Pinsel in der Tat unverwechselbar. Eine Figur ist mit wenigen Strichen und Linien skizzenhaft angelegt, da hält die Feder plötzlich inne, und zwar an einer Stelle, an welcher vielleicht ein Kragen am Hals, der Schwanz einer Katze oder auch ein ausladend dekorierter Popo zittrige oder wallende Ausgestaltung verdienen. Dabei gerät die großzügige Linie zu einer Arabeske, schwelgt in phantasievollen Rüschen, Bändern, Strapsen, Monokeln, Brillen, Locken oder Stachelfrisuren, um anschließend wieder als unbescholtene Kontur fortzufahren. Abbreviaturen wechseln mit feinen, einen Gegenstand lediglich konturierenden Kurvaturen ab. Das meiste zeigt sich gerundet, scharfe Kanten kommen - im Unterschied etwa zum Figurenkosmos des verehrten Saul Steinberg - seltener vor. Bei der knappen Anlage der Story in Blei oder Feder ist häufig eine geistreiche Ökonomie des Zeichenduktus' zu beobachten: da fungiert ein Schlenker sowohl als Ohrmuschel wie auch als Brillenbügel meint oder ein Gesicht ist in Picasso'scher Manier durch ein frei im Raum angesiedeltes Auge gleichzeitig en face und im Profil festgehalten. In dem Blatt „Die Unvollendete“ übernimmt in grandioser Weise die ‚Katze ohne Unterleib’ am Piano die Rolle des Unfertigen.

Die neueren Zeichnungen zeigen ein Mehr an Collagezutaten und an aquarellierten Partien, und da kommt Minks meisterlicher Umgang mit der heiklen, nicht korrigierbaren Aquarell-Technik voll zur Geltung. Der Farbpinsel übergeht unbekümmert die Konturen einer Fläche, sei er nun mit Farbe, Kaffee oder Rotwein getränkt. Dieser souveräne Umgang verrät nicht zuletzt Minks frühe Ausbildung und Tätigkeit als Künstler und Kunstlehrer. Schließlich hat er bereits in den 60er Jahren Cartoons für so renommierte Zeitschriften wie „Pardon“, „Simplizissimus“, „Stern“ oder „Die Zeit“ geschaffen.

Was die Collagen angeht, so wohnt Harry Mink schließlich in der Stadt des hochverehrten Kurt Schwitters und er kennt sich wahrlich in der Kunstgeschichte aus. Andernfalls wären Blätter wie „Aufstehen Paolo, Frührenaissance hat angefangen“ oder auch die Katze auf dem Rietveld-Stuhl nicht denkbar. Daher werden die haptischen, alltäglichem Krimskrams entsprungenen Gegenstände rücksichtslos zweckentfremdet: Bieruntersetzer mutieren zu Hüten, Schmetterlinge schmücken als aparte Fliegen die Männerhemden, Streichhölzer als unverwüstliche Hahnenkämme den Kopf.

Der Sprachwitz ist nicht zuletzt seiner über 40jährigen Tätigkeit als Kunstkritiker für Zeitungen und Zeitschriften geschuldet. Harry Mink alias Peter Winter ist als wortgewandter und phantasiebegabter Schreiber geschätzt, als scharfzüngiger Kritiker aber auch gefürchtet. Hier wie dort heißt dies, einen Gedanken zu leibhaftiger Anschauung zu bringen. Für graue Theorie haben weder die erfundenen Kreaturen noch deren Schöpfer selbst etwas übrig. Deshalb so entwaffnende Kommentare wie "Statt der Paradigmen solltest Du lieber mal Deine Unterwäsche wechseln, Liebling!" oder "Wenn ich das schon höre: Chaos - Theorie!"

Die Schwelle zwischen Sprache und Bild bleibt für Mink immer brisant. Schließlich entspringt ja alles Schöpferische ein- und derselben Persönlichkeit. Ende der 90er Jahre steigerten sich die Schreib- und Zeichenkünste des Künstlers wechselseitig zu Höchstform. Lange Erfahrung in beiden Bereichen, dazu ein engagierter, dabei humorvoller Zugang auf die Welt haben uns umwerfend originelle Arbeiten beschert. Sie sind umso kostbarer und unersetzlicher, weil seit einiger Zeit die Schaffenskraft des Künstlers und Kritikers krankheitsbedingt etwas erlahmt. Glücklicherweise sind in der Ausstellung zahlreiche Blätter aus jener besonders fruchtbaren Phase zu sehen. Bemerkenswert aber auch die Serie der „Traumdeutungen“ von 2005. Letztlich bietet der Querschnitt aus 30 Jahren insgesamt ein imponierendes Panorama dieser höchst originellen Spezies von Cartoons und Collagen. Damit Sie sich ihnen mit Genuss und Gewinn zuwenden können, entlasse ich Sie daher gerne, ganz nach dem Motto: „Jedem das Seine“.
Renate Puvogel






Harry Mink

Internet: www.harry-mink.de

 
1935        
 geboren im mährischen Troppau / Opava

im Sommer 1945
Aussiedlung in Richtung Mark Brandenburg. Noch vor dem Abitur in Spremberg/ Niederlausitz (Deutsch & Kunst recht passabel, Rest ziemlich lausig) zeichnete er Glossen und Karikaturen für die >Märkische Volksstimme<.

1953 bis 1957
Studium der Kunstpädagogik an der Humboldt-Universität Berlin, im Eckgebäude an der Burgstraße mit Atelierblick auf die Museumsinsel.
Eine Vorlesung aus dem Bart Richard Hamanns, mehrere Probenbesuche bei Bertold Brecht. Antiquarischer Erwerb der Klee-Monografie von Will Grohmann bei Wasmuth in der Hardenbergstraße für 34 Westmark. Schriftliche Examensarbeit:>Cézanne und das Ende des Impressionismus<.

Herbst 1957 bis Herbst 1958
Zeichenlehrer in Rheinsberg/Mark.
Anschließend Übersiedlung nach Niedersachsen. Referendariat in Hannover. Nachfolger von Raimund Girke am Gymnasium Walsrode.

Seit Mitte der sechziger Jahre
Cartoons für den >Simplicissimus<, für >Pardon<, >Stern<, >Die Zeit<,>Theater heute<,>Kunst und Unterricht<, Kunstberichte für die FAZ, >das Kunstwerk<, >Kunstforum<,>Kunst und Antiquitäten<, >Weltkunst< und >Art International<. Gründungsredakteur der Reihe>museum< im Westermann-Verlag. Beiträge für das >Kritische Lexikon der Gegenwartskunst< in München.

Vier Kinder, geschieden. Seit Mitte der achziger Jahre zum zweiten Mal verheiratet. Lebt in Hannover.


Ausstellungen:
(Auswahl)
 1999     "mal hoch, mal quer",
                Erste Cartoon-Ausstellung, Museum der Stadt Ratingen. 
2002      " Katzen, Käuze, kleine Katastrophen".
                Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte  
2002      "Frauen, Freaks und freche Sprüche", Wilhelm-Busch-Museum,  
                Hannover 
2004      "heiter, sperrig, hintersinnig",Volksbank  Hannover