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Künstlerfoto
Meike Zopf

Alle aktuellen Ausstellungen:

„Im Verborgenen - Bautagebuch“

Ausstellungen
   
„Consider the Birds“
  Fotos zur Eröffnung

Malerei und Zeichnungen

Eröffnung:
02.06.2019, 12:00 Uhr

Einführung:
Prof. Dr. Wilfried Köpke, Hannover


Dauer:

02.06.2019 - 14.07.2019

Öffnungszeiten während der Ausstellung:

Dienstag - Freitag 11 - 13 Uhr und 15 - 18 Uhr
Samstag 11 - 13 Uhr und 15 - 17 Uhr
Sonntag 15 - 17 Uhr
und nach telefonischer Vereinbarung

KinderKunstführung mit Aniko Dworok,
Sonntag,16. Juni 2019,
14.00 - 15.30 Uhr fällt aus!

Künstlergespräch,
Sonntag, 16. Juni 2019,
15.30 - 16.00 Uhr

Finissage,
Sonntag,14. Juli 2019,
15.00 17.00 Uhr
Fotos der Ausstellung/ Vernissage: Margrit Gehrold





Fotos zur Eröffnungsveranstaltung:


"Weder geschrieben noch gesprochen scheinen Wörter und Sprache irgendeine Rolle in meinem Denkprozeß zu spielen." Albert Einstein
Als Künstlerin suche ich unbekanntes Land. Ich nähere mich sprachlos, durch Bilder, malend.
Aus Worten, Farben und schließlich Fragmenten aus gesammelten Abbildungen formuliert sich collagenhaft eine (bildnerische) Fragestellung. Dabei kreisen meine Themen immer wieder um Sinnsuche und Transzendenz. Meine Bilder sind nicht in der Realität verortet, sie haben traumartige Verknüfungen, bringen Dinge und Perspektiven zusammen, die eher Gedanken und Vorstellungen als Wirklichkeit abbilden.

Einführungsrede Prof. Dr Wilfried Köpke:

Meike Zopf: Consider the Birds

Imago Kunstverein Wedemark | 2. Juni bis 14. Juli 2019 | Vernissageeinführung

 

Bei einem ersten Blick auf die Arbeiten von Meike Zopf fallen die Verbindung von Malerei und Zeichnung auf, die meist collagierte Setzung der Motive und die häufig auftauchenden Motive: Vögel, Fichten, Häuser – und Frauen. Zu erkennen ist auch schnell, dass eine Inspiration der Künstlerin alte Fotografien sind. Sie sind häufig der Ausgangspunkt und daraus entwickelt sich dann das ganze Bild im Prozess des Zeichnens und Malens.

Auf einen ersten Blick wirkt das alles recht bunt, kräftig und lebendig.

Der zweite Blick eröffnet eine Tiefendimension, die bewegt zwischen Faszination und Erschrecken. Diese Tiefendimension, die über den Anschein hinausgehende Perspektive, deutet schon der Titel einer Werkgruppe und dieser Ausstellung an: Consider the Birds. Das englische Verb to consider changiert zwischen: nachdenken über, erwägen, betrachten; eine considered opinion ist eine ernsthafte Meinung. Schlägt man im Kleinen Stowasser nach dem lateinischen Ursprungswort nach, dann wird dort bei considere darauf verwiesen, dass es ursprünglich auf den „die Gestirne beobachtenden Schiffer, Landmann u. dgl.“[i] angewandt wurde. Das richtige Erkennen der Sterne (sidus lat. Stern) gab Orientierung und Richtung und führte auf dem Weg zum Ziel, in die Zukunft. Auch im Lateinischen wird dann daraus das Betrachten und Erwägen. Consider the Birds meint also ein tiefergehendes Anschauen, Nachdenken und Erwägen,

aus dem Handlung und Orientierung fließt. Und angeschaut werden Vögel, für Meike Zopf „stehen sie für Freiheit“[i]. Nun mögen Sie das als Ausgrabungen im Bildungsschutt vermuten angesichts der lebhaften Farbigkeit und auch des Witzes der Arbeiten. Ich denke, es verweist auf das große Thema dieser Ausstellung: Freiheit.

 

Freiheit

Auffällig ist, dass es viele Frauen sind, die die Bilder prägen. „Verschiedene Möglichkeiten Frau zu sein, interessiert mich, vom Mutter-Ding in der Nazizeit bis heute“[ii]. Und tatsächlich sind bei den größeren und großen Arbeiten nur auf zwei Bildern Männer zu sehen: der Poser in der Arbeit How Deep is Your Love und der Junge, was auch nicht eindeutig zu erkennen ist, in der Arbeit Auf der Suche nach dem Wunderbaren III. Also eine Frauenausstellung? Ich denke ja aber eben unter dem Thema Freiheit. Ein Hinweis und eine Hilfe gibt die Philosophiegeschichte.

Simone de Beauvoir, die französische Existenzphilosophin, hat in ihrem Werk Das andere Geschlecht[iii] vor siebzig Jahren (1949) beschrieben und analysiert: „Die Alltagserfahrungen und das In-der-Welt-Sein von Frauen sind bereits zu einem frühen Zeitpunkt ihres Lebens so grundlegend anders als die Erfahrungen von Männern, dass man sie für einen ‚natürlichen‘ Ausdruck der Weiblichkeit hält. (…) Während man Jungen ermahnt, tapfer zu sein,

wird von einem Mädchen erwartet, dass es weint und Schwäche zeigt. (…) Wenn es älter wird, lernt es Bescheidenheit, Tugendhaftigkeit und Zurückhaltung. Jungen dagegen rennen, greifen an, klettern, erobern, schlagen mit den Fäusten zu: Sie greifen buchstäblich nach der physischen Welt und ringen mit ihr. Mädchen tragen hübsche Kleider und wagen nicht zu rennen, um sich nicht schmutzig zu machen. Später tragen sie hochhak-kige Schuhe, Korsetts und Röcke; sie lassen sich lange Fingernägel wachsen und müssen aufpassen, dass sie nicht abbrechen. (….) Der weibliche Körper erlebt sich ‚als im Raum positioniert‘ und nicht als ein Subjekt, dass den Raum definiert oder konstituiert.“[i] 

Die Freiheit war das große, das entscheidende Thema der Existenzialisten. Sartres Weggefährte Jean-Paul Sartre hat sich 1943 in einem seiner Hauptwerke, Das Sein und das Nichts, damit auseinandergesetzt und kommt zu dem Schluss, dass wir geradezu verurteilt sind frei zu sein: Jede unserer Entscheidungen prägt uns und auch wenn wir Entscheidungen vermeiden, ist das Entscheidung und wir treffen sie in Freiheit. Wir müssen frei sein. Es ist individuelles Leben. Einerseits. Andererseits bannen uns die anderen mit ihrem Blick auf uns. Sie legen uns fest, auf das, was sie sehen, sie definieren uns und nehmen uns damit die Möglichkeit des Veränderns, des Transzendierens.

Wer als unzuverlässig wahrgenommen wird, bekommt einen bestimmten Job oder Auftrag nicht, wer als unglaubwürdig wahrgenommen wird, mit dem macht man keine Geschäfte.

Die Kehrseite dieses in den Blick genommen zu werden, ist, so Sartre, die Scham als „vereinigendes Erfassen dreier Dimensionen: ‚Ich schäme mich über mich vor Anderen.‘“[i]

Wie eine Frau zu sein hat, ist gesetzt und der Blick des anderen legt sie fest.

“Simone de Beauvoir, die Sartres Werk als Inspiration bezeichnet, stellt allerdings fest, dass im Geschlechterblick keine Gleichberechtigung herrscht, „denn beide Geschlechter betrachten den Mann als das Definierende und als perspektivischen Fluchtpunkt“[ii].

 

Der Blick

Meike Zopf übernimmt diesen Blick im sartreschen Sinn, wenn sie Fotografien als Ausgangspunkt nimmt. Dort stellen sich Frauen in Position, setzen sich dem Bick aus. Sie stehen stolz nebeneinander, vor ihren Häusern, den Fassaden des Bürgerlichen, mit den sauberen Wänden, den Balkonblumen, dem Garten.[iii] Einladend und abwehrend. Die Frau trägt das züchtige Kleid, sitzt unter der Trockenhaube der 1960er und 1970er Jahre. Frau macht

sich schön. Für den Mann. Sie kann es nun endlich zuhause machen und muss nicht mehr wöchentlich oder vierzehntäglich zum Frisör. Gerade der Charme des Vergangenen dieser Frauenfiguren macht es leichter, sie auf das Heute zu beziehen. Es ist nicht so direkt, nicht so nah wie die Selfiekultur – offenbart aber eine ähnliche Anmutung.

Meike Zopf erforscht malend und zeichnend die „Möglichkeiten von Frauen gelebt zu werden und zu leben“[i]. Sie interessiert das „Dazwischen“. Und sie setzt die Frauen auch in Verbindungen mit ihren Motiven der Freiheit, den Vögeln. Sie lässt sie unter der Haube dem Betrachter zuprosten in Strümpfen mit Strapsen, sie zeigt die stolze Frau der 20er Jahre im Stil der Stummfilmschauspielerin, sie lässt die alte Frau neben dem Doppelhaus, eine Zigarre rauchen – selbstbewusst und aufrecht. Schamlos? Ja, weil frei lebend. Und selbst A Night’s Vision hat durch den Glanz der Haare der Frau, trotz der schweren Einkaufstaschen, hat durch die Lichter, die Luftblasen, den Blütenfall, das in Blumen gerahmte Hausidyll, eine Perspektive.

 

Sehnsucht

Die süddeutsch anmutenden Holzhäuser kennt die 1972 in Berlin geborene

Künstlerin aus den Urlauben ihrer Kindheit. Auch in Berlin gab es Fichten, wie in Süddeutschland, am Gartenende, aber dahinter war das nächste Haus. „Ich wollte Wiese hinter den Tannen und Peter und Geißen und Freiheit“[i], erinnert sie sich an eine Kindheitssehnsucht.

Das muss man aber gar nicht wissen, um ihre Bilder zu betrachten. Sie haben ein ganz eigenes Narrativ, das Narrativ der Freiheit und der Gebundenheit, der Sehnsucht und des Aufbruchs. Je mehr ich entdecke in den Arbeiten, desto mehr ziehen sie mich in diese Erzählungen, die ich mit meinen eigenen Bildern und Sehnsüchten, meinen Erinnerungen und Freiheitsvorstellungen besetzen kann. Sie können mich – und das ist eines der Qualitätsmerkmale von Kunst – verändern im Betrachten. Wenn ich Zopfs Bilder in den Blick nehme, dann verändern sie meinen Blick auf mich und andere.

Consider the Birds ist der Aufruf nach den Sternen zu schauen – die Entscheidung für den Weg, die muss jeder selbst treffen in eigener Freiheit.

Starten Sie ihren Freiheitsweg. Schauen Sie. Es tut nicht weh – aber es kann ungemütlich werden.

Wilfried Köpke      www.wilfried-koepke.de



[i] Im Gespräch mit dem Autor am 13. Mai 2019.



[i] Im Gespräch mit dem Autor am 13. Mai 2019.



[i] Jean-Paul Sartre: Das Sein und das Nichts, Reinbek (Rowohlt) 1991, 518.

[ii] Sarah Bakewell: Das Café der Existenzialisten. Freiheit, Sein und Aprikosencocktail…, Frankfurt, Zürich, Wien (Gutenberg) 2017, 244.

[iii] Vgl. dazu den Essai von Maik Schlüter: Konstruktion und Einsturz, in: Meike Zopf: Polka of Valentine, Berlin (Berlin Art Projects) 2013.


[i] Sarah Bakewell: Das Café der Existenzialisten. Freiheit, Sein und Aprikosencocktail…, Frankfurt, Zürich, Wien (Gutenberg) 2017, 238-239.



[i] Im Gespräch mit dem Autor am 13. Mai 2019.

[ii] Im Gespräch mit dem Autor am 13. Mai 2019.

[iii] Le deuxième sexe.


[i] Der kleine Stowasser, München (Freytag) 1971, 130.

 




Meike Zopf

Internet: www.meike-zopf.de

Vita
1972 geboren in Berlin, lebt und arbeitet in Hannover
2005 Meisterschülerin von Prof. Verena Vernunft, Hochschule Hannover
2001 - 2004 Diplom Bildende Kunst, Hochschule Hannover
1995 -1999 Diplom Kunsttherapie, Hochschule für Künste im Sozialen Ottersberg
1994 - 1995 Großfach Kunst LA, Universität der Künste Berlin


Ausstellungen:
Preise / Stipendien
2017- 2019 Studio Scolarship, Hannover
2016 Artist in Residence, Ars terra / Printing Workshop Malmö, Schweden
2015 Artist in Residence, Nagoya University of Arts, Japan
2015 Artist in Residence, Galerie Kaysser, Ruhpolding
2007 Stipendium der Stadt Hannover/Partnerstadt Posen, Polen
2004 Stipendium Internationale Salzburger Sommerakademie / Preis Klasse Ouattara Watts, Österreich
Einzelausstellungen
2018 love love love, Galerie Kaysser, Ruhpolding
2018 love love love no mit Anna Eisermann, Stammelbachspeicher, Hildesheim
2017 Sold out, I´m so sorry als NOMDEPLUM, Projektraum vor dem Steintor, Bremen
2016 123 nonono to b hop on the train of your dreams als NOMDEPLUM, Eisfabrik, Hannover
2016 Idealerweise Sonnenschein, Städtische Galerie Lehrte
2016 10-Minutes-Geishas mit Asta Rode, Galerie Rode und Lanfer, Hannover
2013 Polka of Valentine, Berlinartprojects
2014 Hörst Du das Rauschen, Galerie Lunar, Hannover
2011 Idylle VI, Galerie Kaysser, München
2009 Zwei Sonnen, Berlinartprojects, Berlin
2009 Universum I, Galerie Artae, Leipzig
2008 Vom Fliegen, Kestnergesellschaft bei Deloitte, Hannover

Gruppenausstellungen (Auswahl):
2019 Malerei! 31 Positionen, Galerie vom Zufall und vom Glück, Hannover und Schloß Landestrost, Neustadt
2017 Flower power, Galerie Kaysser, Ruhpolding
2016 Tomorrow - Neue Kunst in alten Gärten, Rittergut Lenthe (Katalog)
2015 Posted als Nomdeplum, Pier 2 Art Center, Kaohsiung, Taiwan
2015 Drawing Encounter, NUA Gallery, Nagoya, Japan
2015 Weltraum als NOMDEPLUM, Rathausgalerie, München
2015 c/o Uferlos umflutend steigt der Breitengrad als NOMDEPLUM, Kunstverein Ingolstadt
2014 The only time is now als NOMDEPLUM, National Art Studio Changdong, Seoul, Südkorea
2014 Recharched Reality, Berlinartprojects, Berlin
2014 A.I.R., Galerie Kaysser, Ruhpolding
2014 Anonyme Zeichner als NOMDEPLUM, Pavillon am Milchhof, Berlin
2013 Vom Hier und Jetzt, 86. Herbstausstellung Niedersächsischer Künstler, Galerie vom Zufall und vom Glück, Hannover
2013 Summer break, Galerie BAP, Istanbul
2011 Salon Salder 2011, Neue Kunst aus Niedersachsen, Schloß Salder, Salzgitter
2011 Bremer Kunstfrühling, Alter Güterbahnhof, Bremen
2011 Grenzenlos.Vielfältig.Eins, Berlinartprojects, Berlin
2010 Berlin. We are alive!, Galerie Favardin & Verneuil, Paris
2010 Wie ein Tag, Kestnergesellschaft in der Marktkirche, Hannover
2009 Wagnis Wirklichkeit, Galerie Epikur, Wuppertal
2008 Zitate - nach allen Regeln der Kunst, Vonderbank Art Galleries, Berlin
2008 for you and me, Galerie Holbein4, Hannover