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Künstlerfoto
Jerzy Joachimiak
Künstlerfoto
Malgorzata Konwerska


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„Freie Deutungszone“

Ausstellungen
   
„Freie Deutungszone“
  Fotos zur Eröffnung

Zeichnungen und Objekte

Eröffnung:
10.09.2017, 12:00 Uhr

Einführung:
Professor Wilfried Köpke, Hannover


Dauer:

10.09.2017 - 22.10.2017

Öffnungszeiten während der Ausstellung:

Dienstag - Freitag 11 - 13 Uhr und 15 - 18 Uhr
Samstag 11 - 13 Uhr und 15 - 17 Uhr
Sonntag 15 - 17 Uhr
und nach telefonischer Vereinbarung

Vernissage am Sonntag, 10. September von 12 - 15 Uhr

Künstlergespräch am Sonntag, 15. Oktober von 15 - 16 Uhr

KinderKunstführung mit der Kunsthistorikerin Anikó Dworok
am Sonntag, 22. Oktober von 14 - 15.30 Uhr

Finissage am Sonntag, 22. Oktober von 15 - 17 Uhr



* Fotos der Eröffnung: Margrit Gehrold





Fotos zur Eröffnungsveranstaltung:

Jerzy Joachimiak:

 

Als Zeichner, der „mit dem Bleistift denkt“,  arbeite ich nach dem Motto: „Humor ist  meine Rettungsweste“.

So entstehen meine zeichnerisch-kritischen  Auseinandersetzungen mit der modernen Zeit.

Die Objekte stehen im engen Wechselverhältnis zu den Zeichnungen.

 

 

 

 

 

Malgorzata Konwerska:

 

Ich nehme eine handvoll Elemente und spiele den Schöpfer. Es soll ein Ganzes entstehen.

Kaum entstanden, fragt das Ganze: „Warum so?“ und „Warum überhaupt?“

Ich nehme eine handvoll Elemente und vergesse die Fragen...




Magorzata Konwerska - Jerzy Joachimiak

Freie Deutungszone

imago Kunstverein Wedemark e.V.| 10.09.2017 | Vernissageeinführung


Mit dem Fragen und den Fragen ist das so eine Sache. Ohne kommen wir nicht weiter. Zu viele nerven. Fragen Sie mal Eltern kleiner Kinder. Am meisten nerven die falschen Fragen. Noch mehr nerven die schlechten Antworten auf gute Frage, dann hätte man lieber seine gute Fragen zurück. Denn es gibt wiederum Fragen, die öffnen Welten, stellen vieles in-frage, weiten den Horizont. Immanuel Kant (1724-1804), der deutsche Philosoph der Aufklärung, hat vier solcher Fragen der Menschheit hinterlassen, die er in langen Texten zu beantworten versuchte: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch? Große Fragen, deren Beantwortung in Metaphysik und Erkenntnistheorie, Ethik und Religionswissenschaften, Anthropologie und Psychologie Bibliotheken füllen.

Es gibt, scheint mir, unter allen Fragen eine Mutter aller Fragen. Sie lautet: Was soll das?

Der Müll nach zwei Tagen immer noch nicht runtergebracht – was soll das?

Vor der Ampel oder im Stau oder vor der Supermarktkasse mit quietschenden Reifen überholt um zwei Meter Streckengewinn zu machen – was soll das?

Übernachten vor dem Apple-Store, um das erste neue iPad 12.0 zubekommen – was soll das?

Die 212. Flasche Nagellack mit dem 37. Rot-Ton in das Makeup-Regal zu stellen – was soll das?

Wahlplakate ohne Aussage – was soll das?

Was soll das? - ist die Frage nach der persönlichen und der gesellschaftlichen Relevanz einer Beobachtung, eines Ereignisses, einer Geschichte. Es ist die Frage derjenigen, die sich mit dem ersten Blick und dem direkten Anschein nicht zufriedengeben, mit keinem „Iss so!“ – sondern die Wahrheit hinter dem Augenscheinlichen suchen. Das ist die Haltung von Magorzata Konwerska und Jerzy Joachimiak. Und trotz mancher Gemeinsamkeit sind beide sehr verschieden und erst recht ihre künstlerischen Positionen. Das beginnt beim künstlerisch-handwerklichen Ansatz: Jerzy Joachimiak ist Zeichner; Magorzata Konwerska Malerin. Gemeinsam ist ihnen die Weiterentwicklung in die Dreidimensionalität, der Blick hinter das Offensichtliche – und natürlich auch bald 50 gemeinsame Jahre als Paar. Privat. Nicht als Künstler – obwohl sie beide  an der Hochschule für bildende Künste in Posen studiert haben.

 

Jerzy Joachimiak

Jerzy Joachimiaks Arbeiten wenden sich entweder in Zyklen Themen wie der  modernen Konsumwelt zu oder er entwickelt seine Beobachtungen und Anfragen denkend mit dem Stift. Der schnellen („speedy“) Skizze im A-4-Format, von denen 24 hier hängen, folgt die ausgearbeitete, aquarellierte Zeichnung (140 x 60 cm) und auch die Lithografie und auch die plastische Arbeit (ca. 120 hoch).

Skizzen, wie Zeichnungen und Objekte, spielen mit dem alltäglichen Leben und seiner Absurdität, „verstärken die Ambivalenz der Wirklichkeit“[i].

In der Serie „me&myself“ versuchen schreiende Figuren mit leeren Sprechblasen in unmöglichen Räumen sich selbst in wirren Verrenkungen als Pastetuben auszudrücken, die zeichnerisch die Realität übersteigen: Innen und Außen wird vertauscht, Perspektiven laufen in Täuschungen, Körperteilen verrenken sich unnatürlich, ohne dass man sieht wo dies eigentlich geschieht. Die Realität wird in ihre Absurditäten zerlegt.

Laborsituationen und naturwissenschaftliche Experimente scheinen da wohltuend sortierte Objektivität anzubieten, ein Stempel wie auf einer Bau- oder Konstruktionszeichnung signalisiert Ordnung und System, die immer wiederkehrende Zahl 62, wie Chiffren des Exakten. Schaut man genauer hin, bewegt man sich in verdrehten Spiralen, gefleischwolfte Frösche werden zu Zungen die Insekten züngeln auf dem Weg zum insektenfreien Sommer – eine clean geschilderte Horrorvision. Beinahe poetisch das Schriftinsert wie eine Legende zum besseren Verständnis der Arbeit mit wissenschaftlichen Konnotationen:„Die Möbusbandreise – fiktiv. Die Gangschaltung – instinktiv. Das Reiseziel – ungefähr. Das Ende – zwar nicht ausgeschlossen wenngleich imaginär.“ Auch die exakten Wissenschaften, so die nüchtern-ironische Haltung in diesen Arbeiten, vermag das menschliche und gesellschaftliche Leben in seiner  Absurdität nicht auszuloten.

Bis ins Sarkastische gehen die Beobachtungen menschlicher Eitelkeiten, die es in den Arbeiten zu entdecken gilt: Der Wrestler mit Punkfrisur, der sein anabolikageschrumpftes Gemächt mit Punk-Nieten aufzurüsten versucht, parallel zum Irokesen-Haarschopf, der dann doch auffällig einem Hahnenkamm ähnelt. Die Pudelnagellackförderung, der schrill rote Farbton des  gepinselten Lackes verbunden mit rotem Mund und Pudel-Mütze. Viel Aufwand für den Wunsch der Absurdität mit Style zu begegnen.

Die Beine der Objekt-Figuren beklebt mit Zeitungspapier geben dadaistische Spracheffekte hinzu aus der medialen Wirklichkeit.

Joachimiak sagt von sich selbst, er denke mit dem Bleistift und das Absurde sei seine Welt.[ii] Mir scheint mehr die Welt absurd und portraitiert mit Joachimiaks Bleistift. Und darin seine permanente Frage: Was soll das?

 

 

 

Magorzata Konwerska

Zwar ist Magorzata Konwerska Malerin – und das erkennt man u.a. an der gekonnten Farbigkeit ihrer Arbeiten, aber sie geht seit Jahren konsequent den Weg in die Dreidimensionalität. In den wenigen Arbeiten, die sie hier präsentiert, können Sie das sehr gut nachvollziehen. Die fünf Arbeiten aus dem Zyklus „Destinatas Infatlilias“ wirken aus der Ferne wie gemalte Bilder. Nähert man sich, sieht man, dass es drei bis vier Schichten sind. Die Schichtbildern aus Papieren, Pastell und Farbstift, übereinandergelegt und mit dem Cutter geschnitten entstehen in einem kreativen Prozess. Konwerska hat eine „blasse Ahnung was rauskommt“ und beginnt, verwirft (wirft auch mal was weg) oder akzeptiert. „Jede Ebene verändert das Bild und dann kann man spielen, bis man verrückt wird.“[iii] Das Zufällige, das Spielerische wird zum künstlerischen Impuls. Was dann entsteht, nimmt, der Titel deutet es an, Anleihen  an der bunten Kinderwelt, die dann doch so glitzernd bunt nicht ist, sondern auch Angst– und Bedrohungsdurchtränkt. Die bunten Kinderweltgesichter, die häufig an Mickey Mouse und Co. erinnern, werden zu Fratzen.

Die Arbeit „Wäre.Hätte“ setzt den Versuch menschlichen Denkens ins Bild, die Vergangenheit im Konjunktiv zu besiegen – ein absurdes Unterfangen.

Die schwebend sich drehenden Paare der „NonMonumenta“ sind, pusten Sie sie an und schauen dann genau hin, weniger tanzend als kämpfend, es gibt ein Oben und Unten, ein Ringen, ein Kämpfen und Verfolgen, Bedrohung und Flucht.

„Du-mich-Ich-dich“ verändert sich in der Bezogenheit aufeinander, in der Beziehung je nach Standpunkt des Betrachters oder der Betrachterin.

Und „Pain for Fun“, dieser Jungenkopf schlägt die Hände vors Gesicht und wechselt zwischen vorbildlicher Freundlichkeit wie im bürgerlichen Familienbilderbuch zu Angst und Schrecken und Horror im Ausdruck. Verstörend. Konwerskas Anleihen an die Bilderbuchidyllen verändern sich unter dem Blick des Betrachters und im Fixierspiel der Mehrdimensionalität zu Kabinettstücken der Angst und der Brüchigkeit menschlichen Lebens. „Misstraue der Idylle“, raunt der österreichische Künstler, André Heller, „sie ist ein Mörderstück“.

In vielen Arbeiten beider erkennt man als Betrachter Situationen aus dem eigenen Leben wieder oder sie wecken Erinnerungen an eigene Beobachtungen und Erfahrungen und lösen so Narrative beim Betrachter aus. Es sind häufig Situationen und Erinnerung, in und bei denen man sich noch im Nachgang die Frage stellt: Was soll das? Beide Künstler stellen sich nicht belehrend dem Betrachter gegenüber mit fertigen Antworten. Sie sind Zeitgenossen im Suchen, im Beobachten der absurden Welt. Und treffend heißt der Titel der Ausstellung: Freie Deutungszone.

Wilfried Köpke, Hannover

www.wilfried-koepke.de

 

 



[i] Im Gespräch mit dem Autor am 8. September 2017.

[ii] Im Gespräch mit dem Autor am 8. September 2017.

[iii] Im Gespräch mit dem Autor am 3. August 2017.


Jerzy Joachimiak

Internet: www.jerzy-joachimiak.de

1944         geboren in Kielce, Polen

1964-70    Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Posen.

                 Diplom im Fach Grafik-Design

seit 1970   freiberuflich tätig als Grafik-Designer, Zeichner, Illustrator

seit 1983   Wohnsitz in Hannover. Freiberuflich tätig als Zeichner

                   und Illustrator

seit 1996   Lehrbeauftragter im Fach Zeichnerische Grundlagen

                  an der Fachhochschule Hildesheim

seit 2001   Dozent im Fach Zeichnen und Darstellungstechniken

                  an der Werkakademie für Gestaltung im Handwerk Hannover

seit 1976  Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen



Ausstellungen:




Malgorzata Konwerska

Internet: www.goha-konwerska.de

 

 

1943                    geboren in Posen, Polen
1964                    Studium an der Hochschule für Bildende Künste Posen                                                                                                                        bei Prof. St. Teisseyre  
                           
Danach tätig als Illustratorin, Bühnenbildnerin und Malerin
Seit 1983   Wohnsitz in Hannover

            Seit einigen Jahren überwiegend freikünstlerisch  tätig



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