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Künstlerfoto
Roman Thomas



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„HIDDEN PLACES“

Ausstellungen
   
„HIDDEN PLACES“
  Fotos zur Eröffnung

Fotografie

Eröffnung:
27.01.2019, 12:00 Uhr

Einführung:
Manfred Zimmermann - Fotograf, Wedemark


Dauer:

27.01.2019 - 31.03.2019

Öffnungszeiten während der Ausstellung:

Dienstag - Freitag 11 - 13 Uhr und 15 - 18 Uhr
Samstag 11 - 13 Uhr und 15 - 17 Uhr
Sonntag 15 - 17 Uhr
und nach telefonischer Vereinbarung

KinderKunstführung mit Anikó Dworok: Sonntag, 17. Februar 2019, 14:00 - 15:30 Uhr

Künstlergespräch: Sonntag, 17. Februar 2019, 15:00 - 17:00 Uhr


Eröffnungsfotos: Margrit Gehrold





Fotos zur Eröffnungsveranstaltung:

Die Motive zu der Serie HIDDEN PLACES entdeckte ich in den großen Metropolen Europas und der USA. Mitten in einer Millionenstadt finden sich solche geheimnisvollen Inseln, die durch ihre Architektur, ihre Lage, den Kontext oder die Lichtstimmung für einen Moment der Wirklichkeit entrückt erscheinen. Hier spielt auch das Format der Werke eine entscheidende Rolle, die großformatigen Fotografien ziehen den Betrachter regelrecht ins Bild.
So unterschiedlich die Motive der Serie „HIDDEN PLACES“ sind, haben sie alle etwas gemeinsam: meist sind sie menschenleer, die Personen unkenntlich oder nur eine Reflexion ihrer selbst. Diese besonderen Orte wirken wie eine Filmkulisse, teils surreal und der Realität entfremdet. Sie entfalten etwas Fantasievolles, Künstliches, Distanziertes, Anziehendes oder auch Geheimnisvolles.


Manfred Zimmermann

 

27. Januar 2019

zur Eröffnung der Ausstellung HIDDEN PLACES

(Wiedergabe des Audio-Mitschnitts)

Meine Damen und Herren,

 

ich wurde gebeten, an dem heutigen Tage eine Laudatio für Roman Thomas zu halten.

Tatsächlich ist es jedoch so, dass es keine wirkliche Laudation sein wird - nicht, weil Du noch sehr jung bist, sondern weil Laudatio bedeutet, jemanden zu loben. Ich glaube, das brauchen wir an dem heutigen Tag nicht, denn wir haben hier Deine Bilder: Diese Bilder loben Dich mehr, als ich das in Worten tun könnte. Darum, und weil wir uns beide schon sehr lange kennen, möchte ich eher eine Beschreibung über Deine Arbeit geben, einen kleinen Einblick in Dein Leben.

 

Du bist 1975 in Celle geboren, dort zur Schule gegangen und aufgewachsen. Nach Deiner Tischlerlehre hast Du die Fachhochschulreife an der FOS Gestaltung erreicht – als nächster Schritt sollte das Studium zum Industriedesigner folgen. Die Ablehnung Deiner dort eingereichten Mappe führte jedoch dann zu einem ganz anderen Weg: Du folgtest Deiner Leidenschaft zur Fotografie, eben dieser Fotografie, die durch Deine DNA schon festgelegt war. DNA deshalb, weil der Vater von Roman Thomas selber ausgebildeter Fotograf war und ihm somit unendlich viel mitgegeben hat. In seiner Kindheit hat er viele Jahre in der Dunkelkammer verbracht. Was daraus geworden ist, können wir heute hier sehen und das ist wirklich beachtenswert.

 

Deine ersten freien Arbeiten sind bereits 1999 in New Mexico entstanden. Durch Deine Ambitionen zum Grafischen hast Du später dann Dein Schaffensspektrum erweitert und bist als Fotograf und Grafikdesigner für viele namenhafte Modelabel tätig gewesen. Um dann aber doch wieder Deiner möbeltischlerischen Fähigkeiten gerecht zu werden, hast Du Dich sehr stark der Architekturfotografie gewidmet, unter anderem für die Firma Vitra, die weltweit sowohl architektonisch als auch gestalterisch tätig ist. Inzwischen hast Du sogar das große Glück, dass Du nicht nur in ganz Europa, sondern auch weltweit, wie z.B. in New York, für Vitra fotografieren darfst.

 

In all diesen kommerziellen Prozessen hast Du immer auch Deine freien Arbeiten mit eingebunden – hier sind dann Aufnahmen wie diese entstanden: diese versteckten Plätze, die Hidden Places, aber auch die 4er Serien, auf die ich später noch einmal zu sprechen kommen möchte.

 

Hidden Places“, versteckte Orte, das stimmt so eigentlich nicht ganz, denn die Orte sind gar nicht versteckt, jeder von uns kann sie sehen und trotzdem würden Sie die Orte so gar nicht wahrnehmen. Nicht nur, weil wir andere Menschen sind, andere Augen haben. Auch nicht, weil Roman Thomas ein besonders geschultes Auge hat, sondern weil in den Motiven noch etwas ganz anderes steckt:

 

Der amerikanische Maler Edward Hopper hat schon in den 30er und 40er Jahren seine Hidden Places gemalt, um die Einsamkeit der Menschen zu zeigen. Er hat im Grunde genommen nicht nur wie Du, diese ganz leeren Orte gemalt, sondern meistens sind einsame Personen sichtbar, ähnlich wie in Deinem Bild „Women in Blue“. Zwischen seiner Bildsprache und der Deinen besteht ein großer Zusammenhang.

 

Wenn man einmal davon ausgeht, wie hektisch unsere Städte heute eigentlich sind, mit ihren Leuchtreklamen und den abertausenden an Informationen - dann fehlt plötzlich genau diese Hektik in Deinen Bildern. Nun könnte man meinen, auch Du möchtest die Vereinsamung der Menschen in großen Städten zeigen - dabei haben Deine Bilder eine so große Strahlkraft der Ruhe und Harmonie, das passt eigentlich so nicht wirklich zusammen.

 

Und dann fragt man sich, ob Deine Bilder vielleicht eine Renaissance unserer selbst zeigen sollen? Übersättigt durch Leuchtreklamen und einer Informationsflut der vielen Mails, WhatsApp- Nachrichten und Facebook Posts…. vielleicht zeigen uns Deine Bilder ja die Sehnsucht nach Ruhe - nach Ruhe für uns selbst.

Und ich glaube, dass es tatsächlich dieses Detail ist, wenn man Deine  Bilder betrachtet: Man fühlt sich irgendwie wohl, es gibt einem eine innere Ruhe. Und ich glaube, das ist die Magie Deiner Bilder.

 

Über die Technik Deiner Fotografie möchte ich überhaupt nichts sagen, denn das ist jetzt nicht so bedeutend, viel bedeutender ist das große Format der Werke. Sie sind nämlich nicht nur faszinierend,  weil sie eben so schön groß sind, sondern wenn man vor ihnen steht, hat man das Gefühl, man könne den Ort betreten. Und dies hat nun doch wiederum etwas mit der Technik zu tun, die bei Dir ausgeprägt brillant ist! Man meint wirklich, man könne die Struktur der abgebildeten Wand mit den Fingerspitzen fühlen …!

 

Die Bilder haben so eine gewisse Weichheit, nicht die knallharte Schärfe der Digitalfotografie, sie haben so etwas Menschliches, etwas ganz Außergewöhnliches. Und ich glaube, genau das ist die Faszination Deiner großformatigen Werke: dass man glaubt, hineingehen zu können.

 

Wie zum Beispiel das „Old House“, bei dem ich übrigens sofort an den Künstler Gerd Winner und seine Motive der Docklands gedacht habe. Obwohl Dein Motiv im Finanzdistrikt von London aufgenommen wurde, erinnert die Farbgebung der Häuser und die gelbe Markierung der Straßen sehr an die der Docklands.

Das ist im Übrigen auch so ein Bild - es ist kein Mensch zu sehen und trotzdem berührt es einen. Man spürt die Versuchung, dort einen Schritt hinein zu wagen und mal links oder rechts um die Ecke zu gehen.

 

Ähnlich ist es bei dem Bild hinter mir, der „Whitby Street“. Das ist eine ganz faszinierende Aufnahme, denn ein Teil des Bildes ist eigentlich kein Bild,  sondern ein metallischer Spiegel und in diesem Spiegel reflektieren die Kunstwerke in seiner Umgebung. Roman hat mir gesagt, dass diese anthrazitfarbene Wand inzwischen schon wieder ganz anders gestaltet ist - also im wahrsten Sinne des Wortes ist diese Aufnahme ein Unikat, was man nie wieder in dieser Form fotografieren kann.

 

 

Betrachten wir nun das Bild ganz hinten links, „Women in Blue“. Dieses Bild erinnert ganz stark an den Maler Edward Hopper. Es ist faszinierend, dass dort zum einen ein realer Mensch fotografiert, zum anderen eben andere Menschen gemalt wurden. Und diese gemalten Menschen zeigen uns auch eine große Einsamkeit. Obwohl die einen gemalt sind und die andere wirklich vorhanden ist, wirkt dieses Bild so unwirklich, als ob es das so gar nicht geben kann. Es hat schon eher etwas von einem Gemälde, wobei es total unbedeutend ist, ob es Fotografie oder Malerei ist: Deine Bilder kommen einem oft so vor, als seien sie fotorealistisch gemalt.

 

Genau so ist es bei dem Bild „Steps to Heaven“, bei dem man das Gefühl hat, direkt die

Treppen hochgehen zu können. Diese Magie des Bildes lässt einen wünschen, es zu begehen und auch zu begreifen, herauszufinden, was da oben am Ende der Treppe wohl ist.

Oder auch bei dem Bild „United Colors“, der Farbcodierung aus Paris. Ein Bild, was stark zwei geteilt ist durch das Objekt auf der linken Seite. Es wirkt wie ein farbiger QR- oder Barcode, mit dem man ein ganzes Leben, eine ganze Gesellschaft abscannen kann.

 

Deine Werke geben uns so viele Fragen auf, genau das macht es so interessant, sich mit ihnen zu befassen.

 

Neben den „Hidden Places“ komponiert Roman Thomas ja seit vielen Jahren auch die 4er Serien. Wann immer sich die Möglichkeit bietet, begibt er sich auf die Suche nach einem neuen Motiv. In den 4er Serien werden also Situationen und Orte gezeigt, die ihm zufällig über den Weg gelaufen sind. Und am Jahresende extrahiert er aus den vielen tausend Bildern Paare und Gruppen, die eine ähnliche Formensprache, eine ähnliche Symbolkraft haben, die zusammengesetzt wieder ein eigenes Bild ergeben. Man kann zwar jedes einzelne Bild betrachten, muss es aber nicht – denn es ergibt sich in Summe wieder ein ganz neues.

Und das ist etwas ganz Spannendes – denn alle diese Bilder haben unterschiedliche Bezugsorte: Potsdam, Paris oder New York.

 

Aber sie haben immer eines gemeinsam, eine gemeinsame Formensprache, die durch Roman Thomas geprägt wurde. Dadurch entsteht so ein neues Bild, ein europäisches oder weltliches Bild,  ohne einen expliziten Ort zu haben.

 

Ich hatte das vorhin schon einmal gesagt, dass Deine Bilder eine große Ausstrahlungskraft haben. Deine Bilder sprechen für sich selbst. Und ich kann Dir eigentlich nur für Deine berufliche Zukunft noch mehr Erfolg wünschen. Du bist 2018 im Bund der bildenden Künstler und Künstlerinnen (BBK) aufgenommen worden. Dazu will ich Dir sehr gratulieren. Ich kenne Dich seit vielen Jahren, und Du wägst von dem kommerziellen Bereich immer mehr in den künstlerischen, das freut mich sehr, und nur nebenbei bemerkt, Edward Hopper hat zwar Illustration und Malerei studiert, aber er konnte die ersten 22 Jahre gar nicht davon leben, er hat als Illustrator in einer Werbeagentur gearbeitet und hat dann erst 1942 sein erstes Bild für 250 Dollar verkauft, das entspricht ungefähr dem Preis Deiner Bilder heute. Daher wünsche ich Dir auch, bei aller Wertschätzung der Kunst, dass Du auch kommerziellen Erfolg hast mit Deinen Bildern und vielleicht eines Tages sogar davon leben kannst. Alles Gute für Deine Zukunft und Ihnen vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

 

 



 




Roman Thomas

Internet: www.fotoatelier-thomas.de

ROMAN THOMAS
1975 in Celle geboren
2004-06 Fotograf für diverse Modelabel:
Modefotografie in Hannover, Hamburg und Stuttgart
seit 2006 Mitglied in der Alliance deutscher Designer (AGD)
seit 2007 Fotograf für die Vitra Gruppe:
Architekturfotografie in New York, Paris, London, Barcelona, Amsterdam, Stockholm, Wien, Basel
seit 2008 Fotograf für das iF International Forum Design: Reportagefotografie in Hamburg und München
seit 2018 Mitglied im BBK
dem Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler


Ausstellungen:
AUSSTELLUNGEN & VERÖFFENTLICHUNGEN
2008 „Wieviel Design verträgt das Klima?“
Buchpräsentation der Fotoreportage für das
iF – International Forum Design mit Aufnahmen von Peter Raacke, Dieter Rams, Kurt Weidemann, Hans Theo Baumann,
Florian Hufnagl, Herbert H. Schultes, Franco Clivio...
2009 Sonderveröffentlichung der Fotostrecke „Aphrodite“
in der Designer-Zeitschrift „vier|viertel“ der Allianz deutscher Designer zum Thema „Kunst und Erotik“
2010 Kunstverein Hannover
1. Aktion „Kunst fördert Kinder“ vom Round Table 77 Hannover
2011 Kunstverein Hannover
2. Aktion „Kunst fördert Kinder“ vom Round Table 77 Hannover
2012-15 FlotART in Bröckel
Experimentelle Arbeiten mit Polaroidmaterial und dem
Polaroid-Lift verfahren
2017 „Kunst hier auch“ Kunstaktion in der Celler Innenstadt
2018 Ausstellung im Rahmen der ARTcalluna im Müllernkontor
2018 Fotoausstellung „HIDDEN PLACES“
Große Soloausstellung auf 600m² in einer
Gründerzeit-Villa von 1899

AUSZEICHNUNGEN
2011 Designpreis vom Rat für Formgebung
German Design Council Audiovisual & Digital:
Automotive Brand Contest
2016-18 STORE BOOK 2016, 2017 und 2018
die Besten internationalen Projekte aus dem Bereich Retail-Design,
Architekturaufnahmen